Die griechische Kultur ist eine der ältesten und einflussreichsten der Welt. Sie hat Philosophie, Demokratie, Theater und olympische Spiele hervorgebracht. Doch griechische Kultur ist weit mehr als Antike: Es ist die Gastfreundschaft (Philoxenia), die Bedeutung der Familie, die Liebe zu gutem Essen und Geselligkeit. Wer Griechenland wirklich verstehen will, muss seine Kultur kennen.
Religion und Orthodoxie
Die griechisch-orthodoxe Kirche prägt das Leben in Griechenland bis heute. Etwa 90% der Griechen sind orthodox. Die Kirche ist nicht nur religiös, sondern auch kulturell bedeutsam - sie bewahrte die griechische Identität während der 400 Jahre osmanischer Herrschaft.
Das zeigt sich im Alltag: Die meisten Griechen feiern ihren Namenstag (den Tag ihres Schutzpatrons) wichtiger als den Geburtstag. Taufen und Hochzeiten sind grosse Feste. Und griechische Ostern ist das wichtigste Fest des Jahres - wichtiger als Weihnachten.
Familie und Gemeinschaft
Die Familie steht im Zentrum des griechischen Lebens. Drei Generationen unter einem Dach sind keine Seltenheit. Grosseltern betreuen Enkel, Kinder kümmern sich später um ihre Eltern. Sonntags trifft sich die erweiterte Familie zum gemeinsamen Essen.
Dieses Gemeinschaftsgefühl erstreckt sich auch auf die Nachbarschaft und das Dorf. In Griechenland ist man selten allein - und das wird als Bereicherung empfunden, nicht als Einschränkung.
Philoxenia - Griechische Gastfreundschaft
"Philoxenia" (Liebe zum Fremden) ist ein Grundpfeiler der griechischen Kultur. Gäste werden grosszügig bewirtet - oft mehr, als sie essen können. In traditionellen Gegenden ist es üblich, dass Fremde zum Essen eingeladen werden. In der Taverne zahlt meist der Gastgeber für alle.
Diese Gastfreundschaft reicht bis in die Mythologie zurück: Zeus war auch der Gott der Gastfreundschaft, und wer einen Fremden schlecht behandelte, riskierte den Zorn der Götter.
Musik und Tanz
Musik ist in Griechenland allgegenwärtig - in Tavernen, auf Festen, in Kafenia. Vom melancholischen Rembetiko über volkstümlichen Laiko bis zu modernem Pop hat Griechenland eine reiche Musiklandschaft.
Griechische Tänze wie Sirtaki, Kalamatianos oder Hasapiko werden bei Festen von Jung und Alt getanzt. Der Sirtaki wurde übrigens erst 1964 für den Film "Alexis Sorbas" erfunden - ist aber heute weltweit als "der griechische Tanz" bekannt.
Küche und Esskultur
Die griechische Küche ist weit mehr als nur Essen - sie ist ein sozialer Akt. Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, oft über Stunden. Mezedes (kleine Gerichte zum Teilen), frisches Brot, Olivenöl und ein Glas Wein oder Raki gehören dazu.
Das Abendessen beginnt spät - oft erst um 21 oder 22 Uhr. Kinder sind bis spät in der Nacht dabei. Das gemeinsame Essen in der Taverne ist fester Bestandteil des sozialen Lebens.
Das Kafenio - Griechisches Kaffeehaus
Das traditionelle Kafenio ist der soziale Treffpunkt für (meist ältere) Männer. Hier wird stundenlang bei griechischem Kaffee und Komboloi (Perlenkette) diskutiert, Tavli (Backgammon) gespielt und die Welt verbessert. In modernen Cafes treffen sich heute alle Altersgruppen und Geschlechter.
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